Pflege

Ich übernehme gemeinsam mit meiner Mutter die regelmäßige Betreuung meiner Oma und weiß, was viele pflegende Angehörige leisten. Auch durch meine frühere Tätigkeit im Pflegemanagement ist mir klar, wie stark das aktuelle System krankt.
Ganz im Sinne einer bekannten Redewendung zeigt sich nicht nur im Umgang mit Kindern, sondern auch im Umgang mit kranken, alten und sterbenden Menschen, wie human sich eine Gesellschaft ist, nämlich so human, wie sie sich gegenüber ihren schwächsten Mitgliedern verhält. Bei einer zunehmend optimierten medizinischen Versorgung ist immer weniger Budget für eine pflegerische Versorgung vorhanden. Für Mahlzeiten in einem Seniorenheim gibt es beispielsweise knapp EUR 5 pro Tag. Eine Nachtschicht der Mitarbeitenden dauert dort meist 10 h und bringt Verantwortung für oft 25 oder mehr Bewohner*innen mit sich.
Noch werden annähernd drei Viertel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt – fast ausschließlich als unbezahlte Care-Arbeit von Frauen. Die Folgen sind: kaum eigenes Einkommen, kein Aufbau eigener Rentenansprüche und körperliche wie physische Überlastung. Professionelle Pflegekräfte kämpfen jeden Tag gegen Zeitdruck und schlechte Arbeitsbedingungen samt unverhältnismäßig schlechter Bezahlung. Gleichzeitig ist es erschreckend, wie gering die Lobby dieser Berufsgruppe ist, während die Arbeitgeberseite fortwährend Angebotsoligopole bildet.
Die Pflegestärkungsgesetze führten zum Gegenteil ihrer Benennung – das Sofortprogramm für die Krankenhäuser zu Abwanderungen aus der Altenpflege. Stationäre Einrichtungen sind wirtschaftlich gezwungen, nur noch hochgradig Pflegebedürftige aufzunehmen, die Wartelisten sind lang und in der ambulanten Betreuung finden sich nur noch Pflegedienste, wenn die zu versorgende Person auch „auf Krankenkasse abrechenbar“ ist.
Um eine würdige Pflege ermöglichen zu können, müssen wir Personalschlüssel erhöhen, die Angehörigen als größte Stütze des Systems fair entlohnen und den (Alten-)Pflegeberuf im Sinne des Wortes lohnenswert gestalten, samt einer höheren und seriöseren Tarifvertragsbindung.
Dazu will ich den Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitswesen mehr Gehör verschaffen. Denn nur so können diese Berufsgruppen ihre Sichtweise einbringen. Ich werde dafür kämpfen, dass für die Beiträge in die Pflegekasse alle Einkommensarten berücksichtigt werden. Dazu zählen auch Einkommen aus Vermietung, Selbstständigkeit und auch jeder Euro über die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze hinaus.
Grüne Pflegepolitik stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Unsere Aufmerksamkeit gilt den Menschen, die auf Pflege oder Unterstützung angewiesen sind.
Sie sollen selbstbestimmt und gut versorgt in ihrem vertrauten Umfeld leben können. Genauso liegen uns diejenigen am Herzen, die sich um die Pflege einer nahestehenden Person kümmern. Sie wollen wir entlasten. Und wir haben die Situation derjenigen im Blick, die in Pflege- und Gesundheitsfachberufen arbeiten. Sie verdienen mehr Anerkennung, Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen.
Pflegepolitik ist Bundespolitik.

Und so verbessern wir die Pflege in Deutschland konkret:

1. Wir wollen pflegebedürftigen Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Dafür setzen wir auf ein vielfältiges Angebot an Pflege und Betreuung vor Ort. Alternative Wohnformen wie generationsübergreifendes Wohnen und Pflege-WGs wollen wir stärker fördern. Neue Pflegemodell wie Buurtzorg gilt es zu fördern.
2. Wer für einen pflegebedürftigen Menschen Verantwortung übernimmt, hat mehr Unterstützung und Wertschätzung verdient. Mit der grünen PflegeZeit Plus bieten wir deshalb einen dreimonatigen Lohnersatz und jährlich eine 10-tägige bezahlte Freistellung, wenn kurzfristig Unterstützung nötig wird.
3. Für professionelle Pflegekräfte bringen wir zügig ein umfassendes Maßnahmenpaket gegen den Fachkräftemangel auf den Weg, das den Pflegeberuf attraktiver macht. Mit einem Sofortprogramm schaffen wir umgehend mehr Pflegestellen. Wir setzen uns für eine faire Bezahlung ein, denn gute Pflege muss gut entlohnt werden. Dazu gehört die Aufwertung und gesetzlich verankerte Personalbemessung in Gesundheit und Pflege. Ein verbindlicher Flächentarifvertrag ist notwendig.
4. Wir wollen Mitspracherechte für Pflege- und Gesundheitsberufe in den Selbstverwaltungsgremien des Pflege- und Gesundheitssystems sicherstellen.
5. Um die Pflege nachhaltig und solidarisch zu finanzieren, schlagen wir die grüne Bürgerversicherung für die Pflege vor. Daran beteiligen sich alle Bürger:innen nach ihren finanziellen Möglichkeiten und alle Einkommensarten werden berücksichtigt